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ADAMAH
Helmar Lerskis letzter Film
Von Ronny Loewy
Helmar Lerskis Film ADAMAH
(ERDE) aus dem Jahr 1948 erzählt die Geschichte von Ankunft und
Einleben des jungen Holocaust-Überlebenden Benjamin im Kinder-
und Jugenddorf Ben Shemen [1] im britischen Mandatsgebiet
von Palästina. Benjamin trifft mit anderen Kindern in einem Bus
in Ben Shemen ein. Er und die anderen Neuankömmlinge werden in
ihre Schulklasse eingewiesen. Die Last peinigender Erinnerungen an seine
Erlebnisse im Holocaust stehen seiner Integration in das neue Gemeinwesen
im Wege. Benjamin verweigert sich jeder Kommunikation und jeder Zusammenarbeit.
Er hortet Brot, obwohl es daran in Ben Shemen keinen Mangel gibt. Er
erkennt durchaus die Kreativität der anderen Schüler, aber
nur als unbeteiligter Außenseiter. Seine Lehrer beschließen,
ihm zu helfen, indem sie ihn zu einem der Fackelträger in der Chanukka-Zeremonie
machen, aber der Junge ist nach wie vor Gefangener seiner traumatisierten
Vergangenheit. Als er zufällig an einem Stacheldrahtzaun, der eine
Rinderherde umschließt, vorbeikommt, holen ihn seine Erinnerungen
an das Konzentrationslager, das er überlebt hat, ein. Er hebt den
Zaun aus, zerstört ihn und läßt die Kühe frei,
die daraufhin ein Gemüsebeet verwüsten, das seine Mitschüler
mühevoll bestellt haben. Benjamin begreift im Laufe des Films,
wie kostbar seine neue Umgebung ist. Unterricht, Arbeit, gesellige Feiern
und zionistische wie religiöse Zeremonien bilden zunehmend für
ihn den Kontext eines sinnvollen 'neuen' Lebens. Zwei Jahre später
sieht man Benjamin schließlich als Anführer einer Gruppe,
die sich aufmacht, um eine neue Siedlung zu gründen. Indem er im
Schweiße seines Angesichts die Erde von Steinen säubert,
beweist Benjamin sich als aktives Mitglied einer jüdischen Pioniergesellschaft,
des Jischuw.
Der 75 Minuten lange Film, der diese Geschichte erzählt, ist in
keiner nachweisbaren Kopie überliefert, zumindest nicht vollständig
bzw. vollständig authentisch. Wir kennen von dem Film ADAMAH nur
die letzten fünf Minuten auf einem 16-mm-Testfilm und die von ADAMAH
an einer Reihe von Stellen erheblich abweichende und auf 48 Minuten
verkürzte amerikanische Version des Films mit dem optimistischen
Titel TOMORROW'S A WONDERFUL DAY [2].
Die amerikanische Version endet mit der Szene der Chanukka-Zeremonie,
der sich in ADAMAH noch die Szenenfolge anschließt, in der Benjamin
tatkräftig zur Errichtung einer Neuen Siedlung beiträgt. Die
Hadassah, die Women's Zionist Organization of America in New York, die
die Produktion von ADAMAH weitgehend finanziert hatte, versprach sich
von einer Filmhandlung, die eher traditionelle Werte, so die Bedeutung
religiöser Bräuche im Alltag von Ben Shemen herausstellen
sollte, größeren Erfolg als von der Original-Version von
ADAMAH, einem Film, der Aspekte des produktiven und säkularen Lebens
weit stärker betonen wollte. Der Regisseur des Films, Helmar Lerski,
war am Feinschnitt und an der Postproduction in den USA ohnehin nicht
mehr beteiligt. Der Leiter von Ben Shemen Siegfried Lehmann [3],
Initiator und Autor des Films, der zu dessen Fertigstellung in die USA
reiste, mußte einem Kompromiß beipflichten, der in die Herstellung
zweier Versionen mündete.
Entsprechend einer finanziellen Übereinkunft zwischen Ben Shemen
und Hadassah in New York sollte Hadassah die alleinigen Vorführrechte
in den USA erhalten und Ben Shemen sollte kein eigenes Fundraising in
Zusammenhang mit dem Film unternehmen. Hazel Greenwald, seit langem
für die Filmarbeit der Hadassah verantwortlich, bestimmte, daß
der Film für das amerikanische Publikum überarbeitet werden
müßte. Zu einem didaktischen Film geriet TOMORROW'S A WONDERFUL
DAY vor allem durch die Einführung eines amerikanischen Erzählers,
der Benjamins Geschichte in der ersten Person vortrug. In einem Brief
vom Juli 1948, als ADAMAH bereits fertiggestellt war, betont man: "Mrs.
Greenwald knows very well what she wants and why she and her advisers
had to make a completely new version out of the film which she desribes
as 'messed-up'" [4]. Siegfried Lehmann war
bereits bei dem Schnitt und der Postproduction von ADAMAH von seinem
Drehbuch weit abgewichen und war mit zusätzlichen Änderungsvorschlägen
nicht mehr einverstanden. Er bestand darauf, daß die Original-Negativkopie
nicht geändert werden dürfe und daß TOMORROW'S A WONDERFUL
DAY auf die Verbreitung in den USA beschränkt bleiben müsse.
Ben Shemen, on location
Lehmann erkannte bereits früh, wie hilfreich das Medium Film sein
könnte, für das Kinder- und Jugendorf Ben Shemen neue Freunde
wie Helfer zu gewinnen und Geld aufzutreiben. Schon bevor er nach Palästina
ging, im Oktober 1925, hatte er die Idee, sein Kinderheim in Kovno (Kaunas)
als Einleitung zu einem längeren Film aufzunehmen, der sich mit
Jugend und Erziehung in Palästina beschäftigen sollte. Daraus
entstand tatsächlich 1926 der Film YOUNG PALESTINE / HANOAR BE'EREZ
YISRAEL [5], produziert von der Keren Hayesod in
Jerusalem und gedreht von Palästinas produktivstem Filmregisseur
der zwanziger Jahre, Yaacov Ben Dov. Zwei weitere Fundraiser-Filme über
das Internat, DAS JÜDISCHE
WAISENDORF BEN-SCHEMEN [6] (1927) und AUS
DEM LEBEN IM KINDER- UND JUGENDDORF BENSCHEMEN [7]
(1930), wurden von Lehmann initiiert und von der Jüdischen Waisenhilfe
e.V. in Berlin produziert. In den frühen dreißiger Jahren
entstanden abermals Pläne für einen großen Film über
Ben Shemen. "Aufnahmetechnisch soll in der Hauptsache in der Art
der russischen Filmkunst gearbeitet werden. Mir schwebt vor allem der
Film ERDE vor, mit seinen herrlichen Großaufnahmen." [8]
Mithin hat ein frühes Vorbild dem 15 Jahre später produzierten
Film ADAMAH seinen Namen gegeben.
Das Fundraising war auch das treibende Motiv für Lehmann, nach
dem Zweiten Weltkrieg mit der Produktion von ADAMAH endlich zu beginnen.
Während die Jugend-Alijah vielen Flüchtlingskindern aus Europa
die Einwanderung nach Palästina organisatorisch und finanziell
ermöglichte, bedurfte es großer Anstrengungen, die Finanzierung
von Kinder- und Jugenddörfern, wie Ben Shemen, zu sichern. Mit
seinem Filmprojekt wollte Lehmann die Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang
von Holocaust, Jugend-Alijah und den Existenzproblemen von Kinder- und
Jugendsiedlungen in Palästina lenken. Eine Vereinbarung kam zustande,
nach der die Hadassah, die Women's Zionist Organization of America,
die in den USA die Jugend-Alijah repräsentierte, sich finanziell
an der Produktion eines Filmes beteiligen werde. Dafür sollten
der Hadassah die exklusiven Vorführrechte in den USA überlassen
werden. Die Vereinbarung sah einen dramatisierten Film in Spielfilmlänge
vor, der über die Errungenschaften des Kinder- und Jugenddorfes
berichten sollte. Richard Lewinsohn, ein ehemaliger Ben-Shemen-Schüler,
der im Kinder- und Jugenddorf als Erzieher geblieben war, drehte 1946
zunächst einen kurzen 16-mm-Film über Ben Shemen, um es den
Filmemachern zu erleichtern, Entscheidungen über das Casting und
die Dreharbeiten an Originalschauplätzen zu treffen [9].
Lehmann gelang es, die Hadassah von der Dringlichkeit seines Filmprojekts
zu überzeugen. In der dramatischen Periode am Ende des britischen
Mandats unmittelbar vor der Gründung des Staates Israel, kam es
Lehmann darauf an, daß Ben Shemen nicht allein als ein Ausdruck
beliebiger Pionierleistungen der jüdischen Besiedlung Palästinas
angesehen wurde, verbunden mit politischen Zielen, die ihrer Absicherung
dienten. In der Sichtweise von ADAMAH sollte die Ansiedlung vielmehr
dazu dienen, daß die Holocaust-Überlebenden aus Europa in
einem pulsierenden, neuen Gemeinwesen wieder zu sich finden können.
Helmar Lerski
Für die Regie von ADAMAH konnte schließlich der erfahrene
Kameramann und Regisseur Helmar Lerski, damals bereits 75 Jahre alt,
gewonnen werden. Lerski hat nach seinem ersten großen Film in
Palästina AWODAH (ARBEIT)
von 1935 noch im selben Jahr den Kurzfilm HEBREW
MELODY / MANGINA IVRIT (1935) in Jerusalem für den Jüdischen
Kulturbund in Berlin gedreht. Ende der dreißiger Jahre übertrug
die Gewerkschaft Histadrut Lerski die Gründung und Leitung ihrer
Film-Unit. Unter seiner Regie entstanden für die Histadrut vier
Filme: CHILDREN OF THE SUN
/ YALDEI HASHEMESH (1940), HARD
WORK / AMAL (1940), KUPAT
CHOLIM / KRANKENKASSE (1941) und LABOUR
PALESTINE (1941) [10].
1936 hatte Lerski eine neue Serie von 175 Fotografien, Portätstudien
einunddesselben Mannes, unter dem Titel "Metamorphosis through
Light" abgeschlossen [11]. Lerskis fotografische
Arbeiten prägten ungewöhnliche Beleuchtungseffekte und extreme
Nahaufnahmen. Lehmann muß Gefallen an Lerskis Foto-Serie gefunden
haben. Diese fotografische Ästhetik übertrug Lerski auch auf
die Filmkamera. Als man ihn darauf ansprach, die Filmarbeit für
ADAMAH zu übernehmen, hatte er gerade den kurzen Film BALAAM'S STORY / BILAM AND THE
ASS mit dem Puppenspieler Paul Loewy fertiggestellt. Dieser Film
wurde nie als selbständiges Werk vorgestellt. Erst 1951 wurde BALAAM'S
STORY / BILAM AND THE ASS in Joseph Krumgolds Film OUT
OF EVIL montiert.
Mit den Dreharbeiten zu ADAMAH von April bis Juli 1947 endete Lerskis
Filmkarriere. Lerski und seine Frau Anneliese verließen Palästina
am 22. März 1948, knapp zwei Monate vor der Staatsgründung
Israels, um sich in Zürich niederzulassen. In Zürich schmiedete
Lerski Ende 1948 zusammen mit Berthold Viertel und Béla Balázs
noch einmal Pläne für einen Film und ließ "damit
die Konstellation von DIE ABENTEUER EINES ZEHNMARKSCHEINES auferstehen"
[12]. Béla Balázs' Tod am 17. Mai
1949 machte diese Pläne zunichte. Die Lerskis erwogen um 1950,
in die DDR umzusiedeln, ein Vorhaben, das sie alsbald wieder verwarfen.
Lerski starb am 29. September 1956 in Zürich.
Story und Drehbuch
Die Idee, die Person eines jungen Holocaust-Überlebenden in das
Zentrum der Filmstory zu rücken, entstand in monatelanger Arbeit
an Story und Drehbuch bereits ab 1946, in der die individuelle Entwicklungsgeschichte
Benjamins Gestalt annahm. An den diversen Entwürfen bis zum Drehbuch,
das bei den Dreharbeiten vorlag, arbeiteten Lehmann und Norbert Garai.
Zum Höhepunkt des Filmes entwickelte sich während des Drehbuchschreibens
jene dramatische Szene des Films, in der sich Benjamin, durch den Anblick
des Stacheldrahtzaunes traumatisiert, an seine Vergangenheit erinnert
und panisch reagiert. Eine detaillierte Darstellung der Änderungen
an dieser Szene in vier verschiedenen Stadien der Drehbuchentwicklung
wirft ein Licht auf die Entstehung des Films insgesamt [13].
In einem frühen Treatment, das den Titel "The Road to New
Life" trägt, heißt die Hauptgestalt des Films noch Baruch,
und die Szene am Stacheldrahtzaun ist noch nicht enthalten. Es gibt
nur eine kurze Andeutung der Szene in einer Sequenz mit dem Titel "Chag
ha Bikurim" ("Darbietung der ersten Früchte"), in
der Baruch einer getanzten Pantomime der biblischen Ruth-Geschichte
zuschaut [14]. "For Baruch is the procession
of the children with its abundance of flowers, fruit etc a special event.
He remembers his terrible past in the camp (a short part of the Auschwitz-film
is shown). He banishes the old memories and watches with much exitement
the further performances." [15]
Ein späterer, schon detaillierterer Entwurf (Baruch heißt
nunmehr Benjamin) sieht eine Montage mit dem sowjetischen Filmmaterial
aus Auschwitz vor, die Benjamins Rückkehr in seine Vergangenheit
auslöst. "Während er durch die Bewässerungssprinkler
wandert, gelangt Benjamin an das Tor des Stacheldrahtzaunes, der das
Dorf umgibt. Dieser Zaun erinnert ihn - jetzt zum letzten Male - an
die grausame Vergangenheit und all ihre Schrecken. Er sieht den elektrisch
geladenen Stacheldrahtzaun in Auschwitz; die Elendsgestalten des Konzentrationslagers
erscheinen vor seinen Augen; er sieht Särge, die tief in die Erde
gesenkt und bedeckt werden; er sieht Haufen von Schuhen, deren Besitzer
in den Gaskammern ermordet wurden; er sieht die Spielsachen der ermordeten
Kinder und darunter eine große Puppe. Dieses Bild bringt ihn zurück
in die Wirklichkeit. Er erwacht aus seinen Erinnerungen und sieht zwei
lachende Mädchen vor sich, die Gießkannen in den Händen
halten und Blumenbeete begießen. Benjamin reibt sich die düsteren
Erinnerungen aus den Augen, so wie sich man einen schlechten Traum aus
den Augen reibt." [16]
"The closest written version to the scene as it actually seems
to have appeared in the film comes from Lerski's work-copy of the script.
The most important change is that a cathartic reaction from deep inside
Benjamin has been added to the images of his trauma, making the scene
far more of a dramatic high-point and clearing the way for the transformation
that takes place inside him." [17] Das Drehbuch
macht an dieser Stelle überaus deutlich, unter welch falschen Prämissen
im Jahr 1947 die persönlichen Verarbeitungsweisen von Erlebnissen
der Holocaust-Überlebenden interpretiert wurden, als gäbe
es so etwas wie neue, überraschende, kathartische Erlebnisse, die
in kürzester Zeit von traumatisierender Last befreien könnten.
Weniger dramaturgischer Verdichtung von Filmstories, als mehr der seinerzeit
noch weitgehend unbekannten und unerforschten Nachhaltigkeit des erlittenen
und erinnerten Holocaust bei den Überlebenden ist es geschuldet,
daß es allein folgender Schlüsselszene im Drehbuch bedarf,
damit Benjamin, von der Last seiner Vergangenheit befreit, die Integration
in sein neues Gemeinwesen gelingt: "Benjamin erwacht. Erblickt
den Stacheldraht, der Schatten, den der Junge wirft, erinnert ih(n)
an einen S.S. Mann und fast noch im Schlaf ergreift er den Spaten und
schlägt wie sinnlos auf den Stacheldraht ein. Buchenwald-Motiv,
gedrängt, gehetzt. Dann kommt er zur Besinnung. (...) Durch die
von ihm geschaffene Lücke im Stacheldraht dringen Kühe in
den Gemüsegarten ein. Sie zertreten die Pflanzen. Benjamin und
die anderen versuchen die Kühe zu vertreiben. (...) Unglücklich
kauert Benjamin vor den zerstörten Pflanzen. Wehmütige Musik.
(...) Benjamin will die geknickten Gewächse wieder aufrichten."
[18] Diese Szene findet sich schließlich in
ADAMAH in diverse Einstellungen untergliedert, mit einem erzählenden
Text und mit Musik unterlegt.
Filmproduktion in Palästina
ADAMAH galt schon während seiner Produktion als untypisch und ungewöhnlich
im Vergleich mit Filmproduktionen in Palästina seinerzeit. Zwar
teilte ADAMAH alle äußeren Voraussetzungen und Umstände,
die eine nichtvorhandene professionelle Filmindustrie im vorstaatlichen
Israel mit sich brachte. Unzulängliche technische Geräte,
vor allem der praktische Mangel an qualitativ brauchbarer Aufnahmetechnik
für Filmton, Mangel an Rohfilmmaterial etc. waren den Filmen in
der Regel anzusehen.
Die Postproduction der meisten Filme, Tonfilme allemal, mußte
im Ausland ausgeführt werden. Lerski verstand es aber unter technisch
miserablen Bedingungen - als Fotograf arbeitete er ja stets mit einer
einfachen Plattenkamera - auch als Regisseur große Filmkunst zu
schaffen. Seine aufwendige Arbeitsmethode, das vorhandene Naturlicht
mit Kunstlicht mittels Spiegel, Planen, Reflektoren und Lampen zu kombinieren,
führte zu Konflikten mit Lehmann und anderen. Alle, außer
Lerski, wollten diesen Aufwand nicht akzeptieren, wo doch im sonnigen
Palästina alles einfacher gehen sollte.
Bei dem überwiegend didaktischen Kino des Landes in diesen Jahren
gab es durchgehend eine strukturelle Unschärfe in der Abgrenzung
von Dokumentar- und Spielfilm. ADAMAH ist davon nicht ganz ausgenommen.
Alles, was in ADAMAH vor der Kamera geschieht, ist inszeniert, obwohl
alle Aufnahmen on location in Ben Shemen und Umgebung gedreht wurden.
Nicht weniger authentisch waren die im Film auftretenden Ben-Shemen-Schüler
und -Mitarbeiter, die, obwohl sie sich zum größten Teil einfach
selber spielten, zugleich auch eine im Drehbuch vorgeschriebene Rolle
darstellten. Dies galt im besonderen für Benjamin Hildesheim in
der Rolle des gleichnamigen Ben-Shemen-Schülers Benjamin, dessen
eigene Geschichte jener der Filmgestalt weitgehend glich [19].
Außer Lerski beteiligten sich an der Produktion von ADAMAH eine
Reihe anderer Filmtalente, unter ihnen einige Filmemigranten aus Nazi-Deutschland.
Otto Sonnenfeld, 1898 in Brünn geboren und vor seiner Emigration
nach Palästina erfolgreicher Filmproduzent in Prag und Wien, engagierte
sich mit seiner Produktionsgesellschaft Forum Film in Tel Aviv an der
Filmherstellung und versuchte später den Film international zu
vertreiben. Drei erfahrene Kameraleute, Sasha Alexander, Robert Ziller
und Naftali Rubinstein [20], wurden engagiert. Der
damals in Palästina bekannte Schauspieler Zalman Leviush assistierte
bei der Dialogregie.
Von Ben Shemen aus wurden der junge Richard Lewinsohn, der den 16-mm-Film
gemacht hatte und bei den Drehrabeiten die Production stills fotografierte,
und als Regieassistent Joseph Salzberger der Filmproduktion zugeteilt,
der durch sein Produktionstagebuch zum Chronisten der Dreharbeiten wurde.
"Throughout the shooting, Salzberger kept a log of all production
details, including participants present on each day, list of shots taken,
amount of film exposed and a cumulative total of raw stock used. The
log also included other pertinent information, such as weather, or noteworthy
visitors to the location." [21]
Um den Titelsong, nach dem Gedicht "Adamah" von Avraham Broides,
gab es einen Wettbewerb. Bekannte Musiker wie Daniel Samburski, David
Zehavi, Nissim Nissimov und Mordechai Ze'ira reichten Beiträge
ein. Den Kompostionsauftrag jedoch gewann der Musiklehrer von Ben Shemen
selbst, Chanan Eisenstaedt. Die anderen Lieder des Films wurden von
Shabtai Petruschka arrangiert.
Die Produktion von ADAMAH mußte mit einer Reihe von Schwierigkeiten
fertig werden, die durch den Ort und die Zeitumstände gegeben waren.
Weil alle Errungenschaften Ben Shemens gewürdigt werden sollten,
wollte Lehmann auch die guten Beziehungen zu den arabischen Nachbarn
des Dorfes zeigen und seine politischen Optionen von einem friedlichen
Zusammenleben von Juden und Arabern darstellen. Dies sollte durch eine
Szene, in der Benjamin einen terroristischen Anschlag auf die Eisenbahnlinie
verhindert, illustriert werden. Für diese Aufnahmen mußte
eine spezielle Dreherlaubnis eingeholt werden [22].
Immer wieder gab es logistische Probleme, da Ausgangssperren und andere
Unwägbarkeiten, die mit der angespannten Lage zu tun hatten, die
Verbindungswege für Personen und Material von und nach Ben Shemen
abschnitten. Trotz all dieser Hürden konnten die Dreharbeiten schließlich
am 28. Juli 1947 abgeschlossen werden. Noch während der Dreharbeiten
hatte Lerski mit Mustern des gedrehten Materials an einer Rohschnittfassung
gearbeitet. Für Lerski war die Arbeit an ADAMAH nach dem letzten
Drehtag beendet. Es war von Beginn an klar, daß der Feinschnitt
und die Postproduction in den USA stattfinden sollten, und deshalb reiste
Lehmann sogleich nach Abschluß der Dreharbeiten nach Amerika.
Postproduction in Los Angeles
Für Feinschnitt und Postproduction knüpften Lehmanns Kollegen
bei der Jugend-Alijah und der Hadassah alle nötigen Kontakte in
Los Angeles. Auch Otto Sonnenfeld hatte Freunde in Hollywood, die er
aus der Zeit vor seiner Emigration nach Palästina in Europa kannte.
Einer der wichtigsten Freunde Sonnenfelds war der Regisseur Andrew Marton,
zu dieser Zeit unter Vertrag bei MGM, der Lerskis Werk schätzte.
Marton scheint bei der Fertigstellung des Films eine wesentliche Rolle
gespielt zu haben. Für den Schnitt des Films sollte zuerst Paul
Falkenberg, der in New York lebte, engagiert werden [23].
Schließlich aber wurden ADAMAH wie TOMORROW'S A WONDERFUL DAY
doch wie üblich von den Cuttern der Hadassah-Filme Stephen L. Scharff,
Harry Komer und George Morton geschnitten.
Als mögliche Komponisten der Filmmusik wurden Darius Milhaud, Kurt
Weill und Alfred Newman in Betracht gezogen [24],
die Wahl aber fiel schließlich auf Paul Dessau, der bereits die
Filmmusik zu Lerskis AWODAH komponiert hatte. "Die drei umfangreichen
Partiturbände von ADAMAH sind die einzige vollständig erhaltene
Quelle von Dessaus Filmarbeit im Exil. Daß er gerade diese und
die Materialien zu AWODAH aufbewahrte, läßt durchaus auf
eine besondere innere Verbundenheit mit diesen Produktionen schließen.
Auch ADAMAH integriert authentische israelische Volkslieder in die weitgehend
sinfonisch angelegte Musik. Doch ist sie nicht so filmtragend entfaltet
wie in AWODAH. Durch den das Geschehen erzählenden Sprecher bleibt
sie weitgehend melodramatische Begleitung. Zwei Abschnitte aber heben
sich heraus: Die Schreckensvision der Hauptfigur, in der sich die Schutzanlagen
des Kinderdorfes mit denen des Konzentrationslagers Buchenwald überlagern,
erhält eine zwölftönige, an Schönbergs 'Ein Überlebender
aus Warschau' erinnernde Form. Der Feuerweihe in der Wüste sowie
dem anschließenden Lauf ins Dorf wird eine 140taktige Passacaglia
über das Thema 'Adamah' unterlegt, das vom Musiklehrer des Kinderdorfes,
Chanan Eisenstaedt, stammt. Sie bildet, zusammen mit der 28taktigen
Introduktion, das umfangreichste geschlossene Stück Filmmusik."
[25]
Für die Aufgaben der Off-Sprecher wurde versucht, bekannte Stars
zu gewinnen, wie Eddie Cantor, John Garfield, Bing Crosby oder Ingrid
Bergman. Für ADAMAH wurde schließlich als Off-Sprecher der
bekannte Radio-Kommentator und ehemalige populäre Basketballspieler
Sam Balter engagiert. In der US-Version TOMORROW'S A WONDERFUL DAY war
es der junge Radiosprecher Jimmy Lipton, der Benjamin aus dem Off seine
Stimme gab.
"TOMORROW'S A WONDERFUL DAY, differed from ADAMAH in a number of
ways. It had been shortened from eight reels to five. Among the omissions
were the scene of the first rain, the children's broadcast from England,
the archival footage originally shot by Ben Dov and any remaining references
to the neighboring Arabs. Many key scenes had been rearranged. Of the
many rearrangements, the most significant concerned the ending."
[26] Die Arbeit an ADAMAH wurde schließlich
im Februar 1948 abgeschlossen, die an TOMORROW'S A WONDERFUL DAY im
Juli 1948.
Kinopremieren
Am 8. Juli 1948 wurde ADAMAH in der Originalversion in Locarno beim
"3. Filmfestival Internationale del Film" uraufgeführt.
Lerski, von Zürich nach Locarno eingeladen, sah den Film auf dem
Festival zum ersten Mal und war "außer sich vor Zorn"
[27] über die gravierenden Änderungen,
die an seiner ursprünglichen Rohschnittfassung vorgenommen worden
waren, und vor allem darüber, daß ganze Szenen, die er für
entscheidend hielt, weggeschnitten worden waren. Er war außerdem
verärgert über die schlechte Kopie, die einige seiner Beleuchtungseffekte,
an denen er so hart gearbeitet hatte, unsichtbar machte.
Die israelische Erstaufführung fand Anfang Oktober 1948 in Tel
Aviv im Kino "Esther" statt, wo ADAMAH drei Wochen lang gezeigt
wurde. Es gab nur eine Filmkopie in Israel, so daß weitere Vorstellungen,
wie in Haifa im Kino "Armon", verschoben werden mußten.
Otto Sonnenfeld, der den Kinostart wie den Vertrieb des Films in Israel
managte und vergeblich mehrere Kopien aus den USA anforderte, beklagte
in zahlreichen Briefen die mangelnde Kooperation der Jugend-Alijah-Funktionäre
in Jerusalem. Er machte sowohl die Jugend-Alijah wie die Hadassah in
New York, die offensichtlich den Vertrieb von ADAMAH nicht fördern
wollte, verantwortlich für den ausbleibenden finanziellen Erfolg
des Films. [28]
Hingegen bildete die Premiere von TOMORROW'S A WONDERFUL DAY am 9. April
1949 [29] in New York im "Stanley" den
Auftakt für eine erfolgreiche Verbreitung des Films in öffentlichen
und privaten Aufführungen in den USA.
Erst Feuer, dann Wasser
Die Schilderung der Umstände, die dazu geführt haben, daß
ADAMAH heute nicht in der Originalversion gesehen werden kann, bedeutet
detaillierte Rekonstruktion des Verlustes eines Films und zugleich Spurensuche.
Bei ADAMAH waren sich eine Reihe verantwortlicher Leute in Ben Shemen
der Bedeutung des Filmes durchaus bewußt und beabsichtigten, seine
Originalversion für die Nachwelt zu erhalten. Daß diese Absicht
durch eine Reihe von Ereignissen durchkreuzt wurde, kann aber nicht
nur als unglücklicher Betriebsunfall in der Filmgeschichte bezeichnen
werden.
Noch bevor TOMORROW'S A WONDERFUL DAY fertiggestellt wurde, hatte Otto
Sonnenfeld darauf gedrängt, daß mehrere 16-mm-Kopien von
ADAMAH gezogen würden. Dies hätte die Verbreitung des Films
erleichtert, vor allem in Israel. Obendrein wären auf diese Weise
Kopien aus nicht brennbarem Sicherheitsfilm entstanden. Der Auftrag
an ein Kopierwerk war bereits vergeben worden. Als jedoch die kommerziellere
amerikanische Version des Films produziert wurde, ist der Auftrag kurzfristig
storniert worden. Kopien der US-Version sollten bevorzugt gezogen werden.
Sonnenfeld selber, der sich ohne den von ihm erwarteten Erfolg für
die Verbreitung von ADAMAH engagiert hat, gab wohl enttäuscht auf.
In den fünfziger Jahren wurden mit großem Aufwand die vorhandenen
Kopien von ADAMAH zurück nach Ben Shemen geholt, und es gelang,
dort einige Kopien, zusammen mit einem Bestand von Outtakes des Films
einzulagern. Der ganze Filmbestand, alles Nitro-Material, wurde 1960
in Ben Shemen durch ein Feuer, dem auch der Speisesaal des Dorfes zum
Opfer fiel, zerstört. Eine Anfrage von Ben Shemen bei der Hadassah
nach eventuell noch vorhandenen Kopien des Originalfilms verlief ergebnislos.
Doch die Suche ging weiter und war schließlich erfolgreich, als
noch eine letzte Kopie von ADAMAH beim Büro der Keren Kayemet in
Frankreich auftauchte. Der israelische Botschafter in Frankreich, Walter
Eytan, dessen Sohn zu dieser Zeit die Schule von Ben Shemen besuchte,
ließ den Film nach Israel schicken. Zur Sicherung von ADAMAH wurde
zu Beginn der 60er Jahre eine Umkopierung auf 16-mm-Material geplant.
Die Filmkopie aus Frankreich wurde an das National Film Laboratory in
Tel Aviv übergeben, wo versuchsweise die letzten fünf Filmminuten
auf 16-mm kopiert wurden [30]. Die Qualität
dieses Experiments fiel sehr unbefriedigend aus, die Umkopierung wurde
abgebrochen und die Kopie blieb auf weiteres im Kopierwerk eingelagert.
Dann brach um 1965 in der Kupat Am Bank, deren Räume über
dem National Film Laboratory lagen, ein Feuer aus. Eindringendes Löschwasser
richtete in dem Kopierwerk schwere Schäden an und zerstörte
die letzte bekannte Kopie von ADAMAH. Die fünf Minuten lange 16-mm-Testkopie
vom Ende des Films ist heute das einzige authentische Stück des
Originalfilms. Dieses Fragment von ADAMAH allein erinnert weit mehr
als der gesamte Film TOMORROW'S A WONDERFUL DAY an die starken Bilder
von Lerskis AWODAH aus dem Jahr 1935, und trotz der schlechten Qualität
der Kopie bezeugt dieses kleine Fragment große Filmkunst.
Erschienen in: Filmexil, Nr. 11, 1998.
- Das Kinder- und Jugenddorf Ben Shemen wurde 1927 gegründet. Unter der Leitung von Siegfried
Lehmann wuchs das reformpädagogische Projekt Ben Shemen zur größten jüdischen Kinder- und
Jugendsiedlung in Palästina heran. Erhebliche finanzielle Unterstützung, die zunächst von der Jüdischen
Waisenhilfe e.V. in Berlin kam, floß ab 1933 nur noch spärlich. Mitte der Dreißiger gewann Lehmann
die Unterstützung durch die Jugend-Alijah, die von den USA aus offiziell vertreten und unterstützt wurde
durch die Hadassah (Women's Zionist Organization of America). Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Ben Shemen eine
wesentliche Rolle bei der Aufnahme der vielen Kinder, die aus Displaced Persons Camps in Deutschland nach Palästina
kamen. Anfang 1948, noch vor dem Beginn des Unabhängigkeitskrieges, wurden die Bewohner von Ben Shemen evakuiert,
zunächst in ein britisches Militärlager bei Netanya, später in Kfar Vitkin in der Nähe von
Caesarea. Eine kleine Gruppe blieb auch während des Krieges in Ben Shemen, die Schule jedoch kehrte erst 1950
dorthin zurück. Zu den Absolventen von Ben Shemen zählt ein ungewöhnlich hoher Anteil von bekannten
Israelis, darunter der ehemalige Ministerpräsident Shimon Peres und der Schriftsteller Dan Ben Amotz.
- Die ergiebigste filmhistorische Untersuchung zu diesem Film unternahm Hillel Tryster vom
Steven Spielberg Jewish Film Archive in Jerusalem für die Ausstellung "ADAMAH. A Vanished Film"
im Jahr 1997, zu der ein Katalog erschien: Hillel Tryster (Hg.), ADAMAH. A Vanished Film (Jerusalem: Steven Spielberg
Jewish Film Archive, 1998).
- Siegfried Lehmann wurde am 4. April 1892 in Berlin geboren. Er studierte Medizin und wurde
Kinderarzt. Am Ende des Ersten Weltkriegs gründete Lehmann in Kovno (Kaunas) ein Heim für verwaiste Kinder.
1927 wanderte Lehmann nach Palästina aus, wo er das Kinder- und Jugenddorf Ben Shemen gründete und zum
bekanntesten Projekt der Reformpädagogik in Palästina entwickelte. Sein Engagement brachte dem Projekt
bei seinen Fundraising-Reisen ins Ausland immer wieder neue Freunde ein. Viele von ihnen kamen ihm zur Hilfe, als
1940 bei einer Durchsuchung der britischen Mandatspolizei unerlaubte Waffenbestände in Ben Shemen gefunden
und Lehmann und einige seiner Mitarbeiter verhaftet wurden. Die schwere Gefängnisstrafe wurde nach Protesten
von Freunden in aller Welt, unter ihnen Albert Einstein, in eine Geldstrafe umgewandelt. Als die Evakuierung von
Ben Shemen stattfand, war Lehmann noch in den USA mit der Fertigstellung von ADAMAH beschäftigt. Lehmann leitete
Ben Shemen bis zu seinem Tod 1958.
- Exzerpt eines Briefes von Mr. Zarek an Miriam Warburg (Children and Youth Aliyah. Committee
for Great Britain) (Juli 1948); zitiert in: Brief von Miriam Warburg an Georg Landauer (26.7.1948), Steven Spielberg
Jewish Film Archive (Richard Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Vgl. Hillel Tryster, Israel before Israel. Silent Cinema in the Holy Land (Jerusalem, 1995),
S. 115ff.
- Von dem 498 m (2 Akte) langen 35-mm-Film DAS JÜDISCHE WAISENDORF BEN SCHEMEN, produziert
von der Jüdischen Waisenhilfe e.V., Berlin, ist keine Kopie nachweisbar. Der Film wurde am 3.12.1925 in Berlin
(Brüdervereinshaus, Roter Saal) uraufgeführt. Die im Bundesarchiv/Filmarchiv in Berlin vorhandene Zensurkarte
vom 20.1.1928 (B 17970, jfr.) nennt alle Zwischentitel des Films und macht mithin den Inhalt des Films bekannt.
Vgl. auch: N.N., "Jüdische Waisenhilfe", Nr. 97, Jüdische Rundschau (6.12.1927); M.S., "Ein
Film vom Jugenddorf", Nr. 99, Jüdische Rundschau (13.12.1927); N.N., "Das jüdische Waisendorf
Ben Schemen", Mitteilungen der Bildstelle des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht (Berlin),
Jg. 3, Nr. 8/9 (22.2.1928).
- Der ebenfalls als Kopie nicht nachweisbare 35-mm-Film AUS DEM LEBEN IM KINDER- UND JUGENDDORF
BENSCHEMEN, 930 m lang, ist auf einer Zensurkarte vom 21.3.1930 (B 25401, jfr.) im Bundesarchiv/Filmarchiv dokumentiert.
- Filmskizze von Erich Roth, Berlin (11.2.1933), Steven Spielberg Jewish Film Archive (Richard
Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Eine Kopie dieses 16-mm-Films existiert in Privatbesitz von Richard Lewinsohn, Rischon LeZion.
- Die Filme für die Histadrut gelten als verschollen. Im letzten Jahr konnten jedoch
im Steven Spielberg Jewish Film Archive in Jerusalem in diversen Kopien anderer Filme, meist Kompilationsfilme
und kompiliertes Filmmaterial, Sequenzen gefunden werden, die sich den Histadrut-Filmen zuordnen lassen.
- Helmar Lerski, Verwandlungen durch Licht. Metamorphosis through Light, Ute Eskildsen (Hg.),
Freren: Luca, 1982.
- Ute Eskildsen/Jan-Christopher Horak (Hg.), Helmar Lerski, Lichtbildner (Essen: Museum Folkwang,
1982), S. 21; Vgl. auch Brief von Helmar Lerski an Béla Balázs (16.11.1948), Nachlaß Béla
Balázs, Akademie der Wissenschaften, Budapest; Brief von Béla Balázs an Helmar Lerski (25.11.1948),
Nachlaß Helmar Lerski, Museum Folkwang, Essen; Briefe von Helmar Lerski an Béla Balázs (5.12.1948
und 12.1.1949), Nachlaß Béla Balázs, Akademie der Wissenschaften, Budapest.
- Die Entstehung des Films ist außerordentlich gut dokumentiert. Im Privatbesitz von
Richard Lewinsohn (ehemaliger Schüler wie Mitarbeiter von Ben Shemen; Kameramann und Fotograf der Productionstills)
befindet sich eine umfangreiche Sammlung von Drehbuchentwürfen, Verträgen, Notizen, Briefen, einem Produktionstagebuch
und zahlreiche Productionstills. Vgl. auch Tryster (Hg.), ADAMAH. A Vanished Film.
- Der Kameramann Walter Kristeller, der 1935 Lerskis HEBREW MELODY / MANGINA IVRIT drehte,
filmte laut Richard Lewinsohn bereits 1946 Szenen eines Tanzspiels "Ruth" für den Ben Shemen Film.
- Früher Drehbuch-Entwurf, vermutl. Ende 1946/Anfang 1947, Steven Spielberg Jewish Film
Archive (Richard Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Drehbuch-Entwurf, Frühjahr 1947, übersetzt aus dem Hebräischen, Steven Spielberg
Jewish Film Archive (Richard Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Tryster (Hg.), ADAMAH. A Vanished Film.
- Lerskis Exemplar des Drehbuchs bei den Dreharbeiten, 1947, Steven Spielberg Jewish Film
Archive (Richard Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Benjamin Hildesheim wurde am 21. August 1929 in Polen geboren. Seine, im Film sichtbare,
eintätowierte Lagernummer B 7605 gehörte zu einer Serie von Nummern, die in Auschwitz Häftlingen
ab Juli 1944 gegeben wurde, die aus dem Ghetto Lodz kamen. Benjamin Hildesheim lebt heute in Washington, DC.
- Sasha Alexander und Robert Ziller drehten mit einer Debrie-Tonfilmkamera, von denen es in
Palästina seinerzeit nur wenige Exemplare gab und die von der Jerusalem Film Production Company zur Verfügung
gestellt werden konnte. Naftali Rubinstein drehte Aufnahmen ohne Ton mit einer Bell and Howell.
- Tryster (Hg.), ADAMAH. A Vanished Film. Von dem Tagebuch ist nur etwa die zweite Hälfte,
von S. 47 bis 101 (Schluß), erhalten. Es enthält Eintragungen vom 21. Mai bis zum letzten Drehtag am
28. Juli 1947, Steven Spielberg Jewish Film Archive (Richard Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Vgl. Brief von David Werner (Chairman of the Board of Ben Shemen) an A.F. Kirby (Railroad
Company) (16.5.1947); Brief von A.F. Kirby an David Werner (28.5.1947); Steven Spielberg Jewish Film Archive (Richard
Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Vgl. Brief von Otto Sonnenfeld an Ben Shemen (2.7.1947) und Brief von Siegfried Lehmann
an Paul Falkenberg (8.7.1947); Steven Spielberg Jewish Film Archive (Richard Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Vgl. Brief von Otto Sonnenfeld an Ben Shemen (29.5.1947), Steven Spielberg Jewish Film Archive
(Richard Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- Daniela Reinhold, Paul Dessau 1894-1979. Ausstellungskatalog (Berlin: Akademie der Künste/Henschel,
1995).
- Tryster (Hg.), ADAMAH. A Vanished Film.
- Brief von Anneliese Lerski an Ernst Loewy (12.7.1961), Privatbesitz Ernst Loewy, Frankfurt
am Main.
- Vgl. Briefe von Otto Sonnenfeld an Ben Shemen (4.10.1948), an Siegfried Lehmann (25.10.1948),
an Ben Shemen (22.11.1948), Steven Spielberg Jewish Film Archive (Richard Lewinsohn Collection), Jerusalem.
- TOMORROW'S A WONDERFUL DAY wurde bereits im Herbst 1948 in einer Preview In New York getestet
und im Januar 1949 auf Veranstaltungen der Hadassah vorgestellt.
- Das Test-Filmmaterial besteht ausschließlich aus den Schlußszenen von ADAMAH.
Die Filmkopie befindet sich in Privatbesitz von Richard Lewinsohn, Rischon LeZion.
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