Fritz Bauer Institut · Cinematography of the Holocaust


Juden ohne Maske. D: Böttcher [DE, 1937]

ID

FBW000813      Documentary

Country / Year

Germany, 1937

Original Title

Juden ohne Maske

Directed by

Walter Böttcher, Leo von der von der Schmiede

Produced by

NSDAP [Reichspropagandaleitung, Amtsleitung Film], Berlin

Staff

Script: Walter Böttcher, Leo von der von der Schmiede; Editing: Leo de Laforgue

Appearance

Peter Lorre (als Beckert in M (1930-1931 DE / Fritz Lang)); Fritz Kortner (als Dimitri Karamasoff in DER MÖRDER DIMITRI KARAMASOFF (1930-1931 DE / Fedor Ozep)); Hermann Göring (Reichsmarschall, Oberbefehlshaber der Luftwaffe); Wilhelm Frick (Reichsinnenminister); Rudolf Heß (Stellvertreter Hitlers); Konstantin von Neurath (Reichsaußenminister); Adolf Hitler

Length

992 m / 36'15''

Format

35mm/sw/1:1,37

Dates

- 20 Jul 1938: Censor Lt. Zensurliste durfte der Film nur in Veranstaltungen der NSDAP gezeigt werden, nicht aber vor Jugendlichen

Remarks

1. Fragment. Es fehlen u.a. Szenenausschnitte aus den Spielfilmen: "Familientag im Hause Prellstein" (1927 DE / Hans Steinhoff) mit Curt Bois bei einem Caféhausbesuch in Frauenkleidern; "Der Fürst von Pappenheim" (1927 DE / Richard Eichberg) mit Curt Bois in Frauenkleidern, Kommentar: "Der Jude (...) zeigt sich in dieser abstoßenden und geschmacklosen Szene in Frauenkleidung. Eine bewußte Anlehnung und Fürsprache zum Paragraphen 175"; "Die Koffer des Herrn O.F." (1931 DE / Alexej Granowsk) mit Margo Lyon singend: "Tempo, Tempo" (Couplet); "Skandal in der Parkstrasse" (1931-1932 DE / Franz Wenzler) mit Rosa Valetti singend: "Um eine Mann weint man keine Träne" (Couplet); "Der Hochtourist" (1931 DE / Alfred Zeisler) mit Otto Wallburg als Städter in den Bergen, Kommentar: "Jdes Gebiet war den Juden recht, es entwürdigend und in einer Form lächerlich zu machen. Hier die Verhöhnung der Alpinistik. Große menschliche Leistung um eine Idee Willen, welche mit körperlichen Strapazen verbunden waren, hat aber ein Jude nie vollbracht. Wir denken an das hohe Ziel der (...) Expedition, an das Schicksal vieler unserer deutschen Bergsteiger"; "Meine Frau, die Hochstaplerin" (1931 DE / Kurt Gerron) mit Fritz Grünbaum; "Der weisse Dämon" (1932 DE / Kurt Gerron) mit Peter Lorre.
2. Der Film wurde zunächst 1937 im Rahmen der antisemitischen Ausstellung "Der ewige Jude" im Deutschen Museum in München gezeigt. Joseph Goebbels notierte dazu in seinem Tagebuch am 5.11.1937: "Filme geprüft: gute Wochenschau. Schlechter Propagandafilm über Juden im Film. Gegen mein Verbot gemacht. Werde ihn nicht zulassen. Zu aufdringlich." Offensichtlich wurde der Film danach überarbeitet und in der neuen Version der Filmprüfstelle Berlin zur Zensur vorgelegt. Der Film kam über die Gaufilmstellen der NSDAP zum Einsatz.

Further Remarks

- Zensurlänge: 992 m / 36'15''

Abstract

This Anti-Semitic Propaganda by the NSDAP (National Socialist German Workers' party) film fragment has a off-voice agitating against the alleged Jewish influence on German film, which is said to glorify crime. The Jewish were fighting to destroy everything fine and good in this world. Scenes of feature films DER MÖRDER DIMITRI KARAMASOFF 1930-1931 DE) from Fedor Ozep and M (1930-1931 DE) with Peter Laurel by Fritz Lang are used as “proofs” for these thesis.

Subject Terms

1930-1939; Anti-Semitic propaganda; Nazi propaganda films

Holdings

- Bundesarchiv - Filmarchiv, Berlin: 696 m / 25'26'' (257 m Ton ohne Bild; 414 m Bild ohne Ton; 25 m Bild u. Ton kombiniert); 35mm; Fragment

Bibliography

- , in: Münchner Neueste Nachrichten, 29.12.1937
- , in: Völkischer Beobachter (Nürnberg), 29.12.1937
- Wiebling, O.: "Volksaufklärung und Filmpropaganda", in: Filmdienst in der NSDAP, Gaufilmstelle Köln-Aachen, 2, Dezember, 01.12.1938
- , in: Westdeutsche Beobachter, Dezember, 01.12.1938
- , in: Film-Kurier (Berlin), 15.12.1938
- , in: Film-Kurier (Berlin), 20.12.1938
- Hampicke, Evelyn / Loewy, Hanno: "Juden ohne Maske. Vorläufige Bemerkungen zur Geschichte eines Kompilationsfilmes", "Beseitigung des jüdischen Einflusses..." Antisemitische Forschung, Eliten und Karrieren im Nationalsozialismus. Jahrbuch 1998/1999 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Fritz Bauer Institut (Hg.), Frankfurt am Main: Campus, 1999

Contents (detailed)

=== Szenenfolge / Einstellungsprotokoll des erhaltenen Fragments (- m):
=== Rolle 1 (Akt 1, Rolle 1, Ton ohne Bild):
- 000,00-257,00 Kommentarton hetzt gegen angeblichen jüdischen Einfluß auf Entwicklung des Films seit dem ersten Weltkrieg. Auszug K-Ton: "Eine wahre Schmutzwelle ergoß sich über das deutsche Volk. [...] Mit dem Gift des Verbrechens und der Waffe des Bolschewismus führte der Jude seinen Vernichtungskampf, Kampf gegen alles Gute und Edle in der Welt. Der Jude ist die Verkörperung des Bösen, der sich gegen Gott und die Natur empört. Wohin sein Pesthauch trifft, wirkt er vernichtend. Wer mit den Juden kämpft, kämpft mit dem Teufel. Wir halten uns hier im folgenden an gegebene Tatsachen. Wir sehen die Verbrechen auf jedem gebiet so, wie sie gesehen werden müssen. Nur so ist jüdischer Zersetzungsgeist erkenntlich"
=== Rolle 2 (Akt 1, Rolle 3, Bild ohne Ton):
- 000,00-122,00 Ausschnitt aus Spielfilm DER MÖRDER DIMITRI KARAMASOFF (1930-1931 DE / Fedor Ozep). Auswahl u. Montage der Zitate führen zu Eindruck, Karamasoff habe tatsächlich einen Mord begangen
=== Rolle 3 (Akt 2, Rolle 1, Bild ohne Ton, davon auf letzten 25 m Bild u. Ton kombiniert)
- 000,00 Ausschnitt aus Spielfilm M (1930-1931 DE / Fritz Lang). Montage der Schnitteile suggeriert, dass der Darsteller Peter Lorre mit dem von ihm dargestellten Kindermörder Beckert identisch ist. Zusätlich suggerieren Schnitteile, dass es dem Spielfilm um eine Entlastung des Mörders geht. Filmzitat endet mit langer Einstellung der leeren Richterstühle im Gerichtssaal, im Original gefolgt von Szene einer ordentlichen Gerichtsverhandlung.
- 263,00 Schwarzfilm
- 269,00 Gesichter deutscher Offiziere, Soldaten u. Jugendlicher, Zwischenschnitt: fünf wehende Hakenkreuzfahnen (div. kurze Einst., z.T. groß)
- 286,00 Hermann Göring (Reichstagspräsident) verkündet auf Reichsparteitag 1935 die Nürnberger Rassengesetze: "Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind verboten!" (O-Ton). Im Vordergrund Wilhelm Frick (Reichsinnenminister), Rudolf Heß (Stellvertreter Hitlers), Konstantin von Neurath (Reichsaußenminister), Adolf Hitler (halbnah)
- 294,00 Erntedankfest auf dem Bückeberg. Hitler geht mit NS-Funktionären durch jubelnde Menschenmenge, grüßt mit Handschlag einzelne Personen aus Zivilbevölkerung, Zwischenschnitte: Hakenkreuzfahnen, lachende u. winkende Menschen mit Hitlergruß (div. kurze Einst., z.T. nah)
- 317,00 ENDE
Erschließung durch das Bundesarchiv - Filmarchiv, Berlin, redigiert