Fritz Bauer Institut · Cinematographie des Holocaust


Swastyka I Szubienica. R: Czynski [PL / SU, 1944]

ID

FBW003475      Dokumentarfilm

Land / Jahr

Polen / UdSSR, 1944

Originaltitel

Swastyka I Szubienica

Andere Titel

Das Hakenkreuz und der Galgen (deutscher Titel)

Regie

Kazimierz Czynski

Produktion

Wytwórnia Filmowej Wojska Polskiego (Polish Army Film Studio), Warschau

Prod. / Stab

Kamera: Adolf Forbert, Wladyslaw Forbert, Stanislaw Wohl; Schnitt: Waclaw Kazmierczak

Auftritt

Hermann Vogel (SS-Rottenführer); Helmar Gerstenmeyer (SS-Hauptscharführer); Anton Thernes (SS-Obersturmführer); Theodor Schoellen (SS-Rottenführer); Heinz Stalp (Kapo); Edmond Pohl (Kapo)

Länge

711 m / 26'

Format

35mm/sw/1:1,37

Zeitangaben

- 30.11.1944-04.12.1944: Drehzeit

Synopsis

Reportage über den 1. Maidanek-Prozeß in Lublin vom 27. November - 2. Dezember.1944.

Schlagworte

Majdanek (Vernichtungslager)

Kopien

- Wytwórnia Filmów Dokumentalnych i Fabularnych, Warschau: 709 m / 25'55''; 35mm
- Bundesarchiv - Filmarchiv, Berlin: 711 m / 26'; 35mm

Literatur

- Liebman, Stuart: Documenting the Liberation of the Camps: The Case of Aleksander Ford’s Vernichtungslager Majdanek--Cmentarzysko Europy (1944). New York, NY, 2001

Inhalt (detailliert)

Protokoll:
- Ausschnitte aus Dokumentarfilm MAJDANEK - CMENTARZYSKO EUROPY 1944 PL/SU / Aleksander Ford) über die Befreiung des Lagers
- Angeklagte werden unter polnischer Bewachung durch Straßen Lublins zum Gerichtsgebäude geführt. Drohgebärden der Bevölkerung
- Sechs Angeklagte auf Anklagebank: Hermann Vogel (SS-Rottenführer), Helmar Gerstenmeyer (SS-Hauptscharführer), Anton Thernes (SS-Obersturmführer), Theodor Schoellen (SS-Rottenführer), Heinz Stalp (Kapo), Edmond Pohl
- Journalisten auf Pressetribüne
- Verlesung der Anklageschrift (O-Ton)
- Pressezeichner porträtieren Angeklagte
- Aussage von Vogel über seine Tätigkeit im Lager Majdanek (z.T. O-Ton)
- Aussage von Stalp: "Ich kann mich einmal erinnern, daß ich in Majdanek, im Anfang, im Herbst vielmehr, daß mal ein Auto kam und mit Kindern. Ein Kindertransport. Es waren ungefähr 54 oder 57 Kinder. Ich weiß die Zahl nicht mehr genau. Sie wurden vor der Gaskammer abgeladen und mußten dort stehenbleiben. Dann holte Untersturmführer Thumann, der Kommandant... (unverständlich) im Lager war, der holte zehn Frauen aus dem Frauenlager. Die mußten diese 54 oder 57 Kinder entkleiden und in die Gaskammer stellen. Wie die Kinder drin waren wurde die Gaskammer geschlossen und die Kinder wurden mit Gas vergiftet. Am nächsten Morgen konnte ich dann sehen, wie man die toten Kinder aus dieser Gaskammer auf einen Lastwagen mit Anhänger geladen hat, vielmehr ein Anhänger mit einer Zugmaschine davor, die man dann zum Krematorium gefahren hat. Später, am 3. September, äh November, fand eine Aktion statt, wo ca. 18 000 Juden erschossen wurden. Ich kann mich noch genau erinnern, ich war damals krank und lag auf dem 5. Feld im Revier. Man sah hinterm Krematorium einen großen Platz, da waren vier große Lautsprecher aufgestellt. Die spielten Musikplatten, Walzer und irgendwelche großen Schlager, bekannte Lieder, und man konnte dann weiter sehen, wie aus einer Baracke entkleidete Juden, Männer, Frauen und Kinder durcheinander, wie die aus der Baracke kamen, jeweils ca. 50 Stück und die zu einem offenen Graben liefen. Man hatte Tage vorher vier große Gräben, 30 m lang, 4 m tief und 3 m breit ungefähr, ausgehoben und diese Häftlinge, äh diese Juden mußten sich nackend am Grabenrand hinstellen und wurden dann von hinten mit zwei Maschinengewehren erschossen. Weiter hat sich ein Vorfall zugetragen im Januar dieses Jahres 1944. Ich war eine kurze Zeit, einige Tage Blockältester, und ich hatte den Auftrag bekommen vom Feldführer meines Feldes, ein Unterscharführer, ins Krematorium zu gehen und die dort beschäftigten 30 Häftlinge namentlich in einer Liste zu erfassen. Ich konnte von da aus genau ins Krematorium, in den eigentlichen großen Krematoriumsraum, hineinsehen. Nach einer Weile ging die Türe auf und ... (unverständlich) vom Auto ungefähr zehn Männer gestiegen. Die Männer waren zu zwei und zwei immer mit Handfesseln einander gefesselt. Dann, wie die zehn Männer herunter waren vom Auto, waren ungefähr sechs SD-Leute hier aus der Stadt Lublin; brachten dann noch eine Frau herunter, eine Frau auf auszusteigen. Diese Frau war bekleidet mit einem schwarzen Pelzmantel und schwarzen Stiefeln. Sie hatte ein Alter von ungefähr 28 bis 30 Jahren. Diese insgesamt 11 Personen mußten nun in das Krematorium hineinkommen. Die zehn Männer wurden sofort aufgefordert sich sofort zu entkleiden und mußten in eine viereckige Kammer gehen, die bis in Brusthöhe mit Beton gepanzert ist. Die Männer zogen sich auch ohne jegliche Anstalten und wehrten sich nicht usw., zogen sich aus. Die zehn Männer, die sich ausgezogen hatten, mußten in diese viereckige Kammer gehen. Wie sie dort drin waren, sie waren vollständig nackend, kamen zwei SD-Leute mit Maschinenpistolen. Die standen an der Türe und haben von der Türe aus den ganzen Streifen abgeschossen. Wie die zehn Männer nun am Boden lagen, waren tot, forderte der Kommandant vom Krematorium, Oberscharführer Musfeld, die Frau auf sich sofort auszuziehen. Die Frau kam diesen Ansprüchen nicht nach, sie wehrte sich und hat auf den Kommandanten vom Krematorium, den Musfeld, ist sie auf ihn zugegangen und hat ihm ins Gesicht gekratzt und hat sich gewehrt. Darauf sagte der Kommandant vom Krematorium, sie soll sich sofort ausziehen, sonst würde er sie schlagen, sonst würde er die Peitsche holen. Wenn sie weiter so frech wäre und so laut schreien würde, würde er sie so in den Ofen reinschieben. Und die Frau hat dann noch weitergeschrien, hat keine Ruhe gegeben. Darauf nahm der Kommandant, schickte den Iwan und Boris raus, und hat die Frau genommen, so am Mantel und alles angefaßt. Die Frau konnte sich weiter nicht mehr wehren und hat sie auf dem Schieber, der vor dem Ofen war, hingelegt. Das konnte ich noch sehen. Dann, der Schieber stand an der Ecke, habe ich gedacht, das wird doch nicht wahr sein, daß der Kommandant die Frau da lebend reinschiebt und war ganz neugierig ... (unverständlich). Dann war, haben jedenfalls die Haare zuerst gebrannt usw. Und da war nur ein Schrei zu hören und dann war es schon aus. So, sagte er, das ist vorbei, sagte er."
- Vereidigung der Zeugen. Zeugenaussagen (O-Ton polnisch)
- Plädoyer der Anklage (O-Ton polnisch)
- Verkündung der Todesurteile für Angeklagte (ohne O-Ton)
- Öffentliche Hinrichtung der sechs Verurteilten am Galgen im Lager Majdanek am 4. Dezember 1944
Erschließung durch das Bundesarchiv - Filmarchiv, Berlin, redigiert