Fritz Bauer Institut · Cinematographie des Holocaust


Augenzeuge [1966] // [Nr. 38 / 14.09.1966] ///. R: ? [DD, 1966]

ID

FBW003321      Wochenschau

Land / Jahr

DDR, 1966

Originaltitel

Der Augenzeuge [1966] // [Nr. 38 / 14.09.1966] ///

Andere Titel

[Beitrag 7: Reprter des "Augenzeugen" besuchte den rechtsanwalt, nebenkläger, Justitiar, Schriftsteller und Journalisten Prof. Dr. F. K. Kaul], alle Beiträge der Folge, siehe Anmerkung

Produktion

DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme, Berlin/Ost

Prod. / Stab

Interviewer: Dagobert Loewenberg

Erwähnung

Richard Gladewitz (Rundfunkjournalist); Stefan Baretzki (Angeklagter / Blockführer); Emil Bednarek (Angeklagter / Blockältester); Wilhelm Boger (Angeklagter / SS, Politische Abteilung); Arthur Breitwieser (Angeklagter / Politische Abteilung); Pery Broad (Angeklagter / SS, Politische Abteilung); Franz Hofmann (Angeklagter / Schutzhaftlagerführer); Oswald Kaduk (Angeklagter / Blockführer); Josef Klehr (Angeklagter / SS-Sanitätsgrad); Franz Lucas (Angeklagter / Lagerarzt); Robert Mulka (Angeklagter / Adjutant des Lagerkommandanten Rudolf Höß); Victor Capesius (Angeklagter / SS-Apotheker); Klaus Dylewski (Angeklagter / SS, Politische Abteilung); Willy Frank (Angeklagter / Lagerarzt an SS-Zahnstation); Emil Hantl (Angeklagter / SS-Sanitätsgrad); Karl Höcker (Angeklagter / Adjutant des Lagerkommandanten Richard Baer); Willi Schatz (Angeklagter / Lagerzahnarzt); Herbert Scherpe (Angeklagter / Politische Abteilung); Bruno Schlage (Angeklagter / Blockführer); Johann Schobert (Angeklagter / Politische Abteilung); Hans Stark (Angeklagter / SS, Politische Abteilung); Heinrich Himmler (Reichsführer SS, Innenminister); Ernst Thälmann (KPD Vorsitzender)

Statement(s) von

Friedrich Karl Kaul (Vertreter der Nebenklage)

Länge

10'10'' (Wochenschau); 04'20'' (Beitrag 7)

Format

35mm/sw/1:1,37

Zeitangaben

- 14.09.1966: Kinostart

Anmerkungen

1. Alle Beiträge der Folge:
[Beitrag 1: Der bisher grösste Erfolg der DDR-Leichtathleten bei Europameisterschaften] ///
[Beitrag 2: Demonstration gegen die USA-Aggression in Vietnam] ///
[Beitrag 3: Solidaritätserklärung der Volkskammer in Vietnam] ///
[Beitrag 4: Repräsentatives Pelzhaus am Leipziger Brühl] ///
[Beitrag 5: Biologische Untersuchungen am Ochotskischen Meer] ///
[Beitrag 6: Erdbeben im Osten der Türkei forderte Tausende Menschenleben] ///
[Beitrag 7: Reporter des 'Augenzeugen' besuchte den Rechtsanwalt, Nebenkläger, Justitiar, Schriftsteller und Journalisten Prof. Dr. F. K. Kaul].

Synopsis

Beitrag 7: Interview mit und Bericht über Friedrich Karl Kaul (Rechtsanwalt und Nebenkläger im Frankfurter Auschwitz-Prozeß).

Schlagworte

1960-1969; Auschwitz I; Auschwitz-Prozess (Frankfurt 1963-1965); Auschwitz-Prozess (Frankfurt 1965-1966)

Kopien

- Bundesarchiv - Filmarchiv, Berlin; 35mm

Verleih

Progress Film-Vertrieb VEB, Berlin/Ost (ursprünglich)
Progress Film, Berlin (aktuell)

Materialien

- Bundesarchiv - Filmarchiv, Berlin; Protokoll

Literatur

- Jordan, Günter: "Der Augenzeuge", Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946-92, Jordan, Günter / Schenk, Ralf (Red.); Filmmuseum Potsdam (Hg.), Berlin: Jovis, 1996

Inhalt (detailliert)

Beitrag 7, Einstellungsprotokoll:
- Frau mit Sonnenbrille trägt Glas Wasser zu Friedrich Karl Kaul (Rechtsanwalt), der an Schreibtisch vor Schreibmaschine sitzt. Frau stellt Glas ab, Kaul küßt ihre Hand, sie geht zurück. Kaul nimmt Glas, trinkt einen Schluck, stellt Glas ab u. tippt auf Schreibmaschine (halbnah, Fahrt bis Schreibtisch)
- In Schreibmaschine eingespanntes Schriftstück. Überschrift: "Der Prozeß vor dem Schwurgericht beim Landgericht Essen" (groß)
- Kaul in Rückenansicht vor Schreibmaschine sitzend (nah)
- Leeres Glas auf Schreibtisch stehend. Daneben liegend: "Akten / des / Oberreichsanwalts / in der Strafsache". Darüber liegend Heft mit Schrift quer darüber: "Essener Meineids-Prozeß" (groß)
- Fünf nebeneinander stehende Bücher, alle mit Autorenangabe: "F. K. Kaul." Zwei Bände mit Aufschrift: "Romane". Ein Buch: "(...) Freispruch", zwei Bände: "Ein Pitaval". Fünf weitere Bände, auf deren Einband als Autor steht: "F. K. Kaul" (groß, Schwenk nach unten rechts)
- Briefumschlag mit Aufschrift: "An / Prof. Dr. Kaul / Radio DDR / Kennwort: 'Hörerfragen' / Berlin / (...)straße 18-50" u. "DDR" Briefmarke (Detail)
- Titelblatt der Zeitschrift "Der Spiegel" mit Porträt Kauls. Darunter Zeitschrift "Stern" (nah)
- Kaul an Pult (vermutl. in Gerichtssaal) stehend (Foto, nah)
- Haustür u. -Wand. An Wand Schild mit Aufschrift: "Prof. Dr. F. K. Kaul / Rechtsanwalt und Notar" (halbnah, dann Zoom auf Schild bis groß)
- Kaul hinter Büroschreibtisch sitzend. Vor ihm in Rückenansicht sitzend Dagobert Loewenberg (Filmregisseur). Kaul von Schreibtisch aufstehend, zur Wand gehend u. auf eines der dort hängenden Fotos zeigend (halbnah, Schwenk nach links)
- Foto von Richard Gladewitz (Rundfunkjournalist) u. Kollegen vom Rundfunk. Mann, sich über Tisch zu anderen Männern beugend (halbnah)
- Kaul vor Wand mit Fotos stehend (halbnah)
- Gerahmtes Foto der Teilnehmenden bei Lokaltermin: Ortsbesichtigung des Lagers Auschwitz. Teilnehmende unter Lagertor mit Inschrift: "ARBEIT MACHT FREI" (groß)
- Loewenberg an Schreibtisch sitzend (nah, leicht seitlich)
- Kaul an Wand mit Fotos stehend, auf gerahmte Notiz von Heinrich Himmler weisend. Loewenberg tritt dazu (halbnah)
- Notiz Himmlers: Einzeln abgestrichene Punkte einer Vortragsliste (groß, Schwenk nach unten)
- Kaul u. Loewenberg an Wand vor Fotos stehend (halbnah)
- Denkmal in Frankfurt am Main. Inschrift: "DEN VORKÄMPFERN DEUTSCHER EINHEIT" (nah, Schwenk nach unten)
- Kaul mit anderem Mann vor Schwurgericht Frankfurt am Main (total, leichter Schwenk nach rechts)
- Großer Sammelbriefkasten mit seitlicher Aufschrift: "GERICHTSGEBÄUDE C"
- Die Angeklagten des Ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Von links nach rechts: Stefan Baretzki (Blockführer), Emil Bednarek (Blockältester), Wilhelm Boger (Politische Abteilung), Arthur Breitwieser (Politische Abteilung), Pery Broad (Politische Abteilung), Franz Hofmann (Schutzhaftlagerführer), Oswald Kaduk (Raportführer u. Blockführer), Josef Klehr (SS-Sanitätsgrad), Franz Lucas (Lagerarzt), Robert Mulka (Adjutant von Rudolf Höss), Victor Capesius (SS-Apotheke), Klaus Dylewski (Politische Abteilung), Willy Frank (SS-Zahnstation), Emil Hantl (SS-Sanitätsgrad), Karl Höcker (Adjutant des Lagerkommandanten Richard Baer), Willi Schatz (Lagerzahnarzt), Herbert Scherpe (Politische Abteilung), Bruno Schlage (Blockführer), Johann Schobert (Politische Abteilung), Hans Stark (Politische Abteilung) (Fotos, Schwenk von links nach rechts). Beschriftung unter Fotos: "Baretzki - Bednarek - Boger - Breitwieser - Broad / Hofmann - Kaduk - Klehr - Lucas - Mulka / Capesius - Dylewski - Frank - Hantl - Höcker / Schatz - Scherpe - Schlage - Schobert - Stark" (vergl. DER AUGENZEUGE NR. 37 / 1965, Beitrag 7) (Fotos)
- Kaul in Rückenansicht in Auto sitzend, fahrend. Durch Windschutzscheibe im Hintergrund Gebäude mit Aufschrift "DUNLOP" (total)
- Blick aus fahrendem Auto auf Autobahn (total)
- Kaul in Auto sitzend, fahrend (seitlich, nah)
- Lenkrad (groß)
- Kaul im Auto (nah)
- Staatsgrenze: Schlagbaum. Mann in Uniform, grüßend, als Kaul durchfährt. Blick aus Autofenster zurück zu Porträt Kauls, im Auto sitzend (halbnah)
- Kaul in Gerichtssaal, stehend, Blatt Papier in Hand haltend. Hinter ihm in Bank sitzender junger Mann (Foto) (halbnah)
- Kaul hinter Büroschreibtisch sitzend, sprechend (nah)
- Kaul in Rundfunkstudio sitzend bei Aufnahme mit zwei anderen Männern (zwei Einst., nah)
- Kaul hinter Büroschreibtisch sitzend, sprechend (nah)
- Kleiner, aus Draht geformter Fernseher mit Antenne, daran Lorbeer befestigt. Hand nimmt Auszeichnung u. hebt sie etwas hoch (groß)
- Gewirr von Scheinwerfern an Decke befestigt (total)
- Kaul, stehend vor Scheinwerfer, sich dann an Tisch setzend (halbnah)
- Kaul in Rückenansicht vor Tisch sitzend, Kamera fährt frontal auf ihn zu (halbtotal)
- Gerahmte Fotos an Wand in Kauls Büro. Kaul an Schreibtisch sitzend (nah, Schwenk nach unten, dann halbnah)
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Tonprotokoll (- m):
Beitrag zum Teil mit Musik. Sprecher. O-Ton Friedrich Karl Kaul
- Sprecher: "Es war Glück, daß wir ihn in seiner Wohnung antrafen, denn fast jeder in unserer Republik weiß: Er ist nicht seßhaft. Er reist von Ort zu Ort, reist innerhalb Berlins, innerhalb der Republik, ins Ausland und seit Jahr und Tag von Berlin nach Karlsruhe und Frankfurt am Main"
- Sprecher: "Er ist bekannt als Schriftsteller, Rundfunk-Journalist und Fernseh-Autor. Die Westpresse schmäht und respektiert ihn gleichermaßen. Wir besuchten Professor Doktor Friedrich Karl Kaul"
- O-Ton Friedrich Karl Kaul: "Verteidigen tue ich schon recht gern, und wenn ich an die Zeit denke, als ich in Moabit im sogenannten Rundfunk-Prozeß auch Sie verteidigt habe, Herr Loewenberg, und wenn ich daran denke, wie ich die Kollegen vom Rundfunk - hier ist noch ein Bild, in dem Gladewitz gerade die Lage des Rundfunkhauses Masurenallee erklärt - das ist 15 Jahre her, das war die Provokation, die gestartet wurde, um sich des Hauses zu bemächtigen. Oder hier im Auschwitz-Prozeß, das Bild vom Lokaltermin. Ja, und dann hier die Notiz, die der Himmler sich machte, als er seinem Führer am 14.8. in der Wolfsschanze einen Vortrag hielt. Die einzelnen Punkte des Vortrags abgestrichen, unter zwölf: Thälmann, und dann das Ergebnis der Besprechung dieser beiden Mörder: ist zu exekutieren. Einige Tage später ist er exekutiert worden, unser Genosse Ernst Thälmann. Ich fand das Dokument vor Jahren in Westdeutschland unter Akten vergraben"
- Sprecher: "Westdeutschland. Frankfurt am Main. Im September 1966 ist der Nebenkläger der DDR, Professor Kaul, wieder einmal auf dem Weg zum Schwurgericht. Vor einem Jahr standen diese Verbrecher vor dem Richter. Jetzt soll im zweiten Auschwitz-Prozess ein Urteil gesprochen werden"
- "Dunlop und IG-Farben - wie eng hängen Konzerne zusammen, denkt der ehemalige KZ-Häftling und heutige Nebenkläger Kaul auf der Rückfahrt"
- "Die Staatsgrenze. Er ist wieder daheim, der Professor"
- O-Ton Kaul: "So möchte ich fast sagen, daß es die anwaltliche Tätigkeit wäre, nun ja, die am nächsten liegt, aber hätten wir uns im Rundfunk unterhalten, dann glaube ich, wäre die Gefahr sehr naheliegend gewesen, daß ich gesagt habe, es ist doch der Rundfunk, der mir am nächsten steht (...)"
- Interviewer: "Professor Kaul beantwortet Hörerfragen"
- O-Ton Kaul: "Nun ja, das hieß ja nicht immer 'Professor Kaul antwortet', aber in der Substanz blieb es sich immer gleich: die Fragen Wohnungsangelegenheiten und Unterhalt und Gnadensachen. Die Fragen, wann die Schüler berechtigt sind, Hitzefrei zu fordern, bis herunter oder herauf zu der Frage, wie lange man den Verlobten im möbliertem Zimmer als Besuch behalten darf - ja, das sind so die (...)"
- Interviewer: "Sie entschieden die Frage, ja?"
- O-Ton Kaul: "Ich habe sie nicht entschieden, aber ich habe sie entschieden beantwortet"
- Interviewer: "Professor Kaul, hier steht ein goldener Lorbeer, wofür ist der?"
- O-Ton Kaul: "Ja, das ist während des Fernsehfunks für die (...) Sendungen verliehen, zu unserer 25."
- Interviewer: "Und nun kommt die obligatorische Frage, Professor Kaul: Wie schafft der Professor das alles?"
- O-Ton Kaul: "Wirklich fast obligatorisch und deswegen nicht recht originell, aber nun. Das ist eine alte Sache: delbst zur Liebe gehört Liebe, und das Geheimnis löst sich sehr rasch: ein bißchen Liebe zur Sache, das heißt also zur Tätigkeit, und ein bißchen Organisationsfähigkeit, sich die Zeit richtig einzuteilen, dann geht schon alles. Früher hieß es, der Glaube versetzt Berge, ich aber glaube, wir sollten uns daran gewöhnen, daß es der Wille ist, der Dinge prägt"
Lt. Kopie Bundesarchiv - Filmarchiv, Berlin